Unsere Fussballschulen

Es begann Ende der 1990er Jahre in Burkina Faso. Es war ein Traum, ein Wunsch, denjenigen etwas zu geben, die selbst nie die Chance haben würden, am Gothia Cup teilzunehmen. Die Idee war, den Ort der Begegnung, den der Gothia Cup darstellt, in ein anderes Land zu verlegen – dorthin, wo der Bedarf vielleicht am größten war. Die Anlage Ouagadougou in der Hauptstadt von Burkina Faso mit zwei bis drei Fußballplätzen und einem Clubhaus für Umkleideräume, Büros und Zusammenkünfte wurde zum Vorbild. Bis zu 1.000 Schüler spielten hier gleichzeitig Fußball und nahmen an sozialen Aktivitäten teil, die Kenntnisse über Demokratie, Gleichberechtigung und HIV/Aids-Prävention vermitteln sollten.

Das Burkina Faso-Projekt führte uns deutlich vor Augen, welch ein Unterschied es ist, in einem armen afrikanischen oder in einem reichen europäischen Land aufzuwachsen. Gleichzeitig war die enorme Lebensfreude „unserer“ afrikanischen Jugendlichen für uns lehrreich und ansteckend. Wir waren auch tief berührt von der großen Dankbarkeit, die unserem Projekt entgegengebracht wurde.

2005 war es an der Zeit, zu neuen Ufern aufzubrechen. Zusammen mit der Schwedischen Missionskirche konnten wir in Kongo-Brazzaville, einem Land, das sich in vieler Hinsicht von Burkina Faso unterscheidet, eine ähnliche Anlage einweihen. Die Republik Kongo hatte sich gerade von einem schrecklichen Bürgerkrieg erholt, dem Hunderttausende von Menschen zum Opfer gefallen waren. Die Jugendlichen litten unter Kriegsneurosen oder hatten als Angehörige einer Miliz selbst Verbrechen begangen. Wir trafen Kinder und Jugendliche von verschiedenen verfeindeten Volksgruppen, die unter keinen Umständen etwas miteinander zu tun haben wollten. Das sollte sich jedoch im Gothia Village in Brazzaville ändern. Hier konnte man das Elend des Krieges zumindest für eine Weile vergessen. Ganz langsam kam wieder Leben auf.

Der nächste Schritt erfolgte im November dieses Jahres. Mit großem Pomp wurde in Kongo-Kinshasa in der kleinen Stadt Kimpese 250 km südwestlich der Hauptstadt Kinshasa das dritte Gothia Village eingeweiht. Die Anlage liegt auf einem Hochplateau, umringt von kleinen, typisch afrikanischen Dörfern. Hier ist man im Herzen Afrikas, in dem Teil, von dem nicht so viel berichtet wird. Leider ist diese Region auch von Armut, Arbeitslosigkeit und Unterentwicklung geprägt. Seit die Kolonialmacht Belgien vor 50 Jahren das Land verließ, ist im Grunde nichts passiert. Alles geschieht immer noch im kleinen Maßstab. Die wenigen Felder, die in diesem so fruchtbaren Land bestellt werden, bringen gerade so viel Ertrag, dass davon die Familie oder das Dorf satt wird. Der gesamte Handel konzentriert sich auf die örtlichen Märkte mit ihrer Vielzahl von Ständen, die alles Lebensnotwendige von frischem Gemüse über Second-Hand-Kleidung bis Fahrzeugmotoren und gebrauchten Traktorreifen anbieten.

Fast alle Kinder gehen einige Jahre zur Schule – meist nur so lange, bis sie Lesen und Schreiben gelernt haben. Eine höhere Schulbildung ist nur wenigen vergönnt. Gleichzeitig sieht man nicht selten Gruppen von Jungendlichen, die auf dem Schulhof um eine Tafel herumstehen und die kompliziertesten mathematischen Probleme lösen. Es fehlt nicht an Interesse und Wille, sondern an Bildungschancen.

In diesem Umfeld haben wir das Gefühl, wirklich etwas verändern zu können. Wir können eine sinnvolle Beschäftigung bieten, ein Saatkorn säen und die Vision einer besseren Zukunft vermitteln. Gleichzeitig müssen wir respektieren, vor welch enormen Problemen das Land steht und wie groß der Bedarf an Hilfe eigentlich ist. Unsere Arbeit beschränkt sich auf ein paar Hundert Jungen und Mädchen, für die wir etwas bedeuten. Fußball ist der gemeinsame Nenner für die 35.000 Jugendlichen, die beim Gothia Cup in Göteborg gegeneinander antreten, und das gilt ebenso für die 500 Jugendlichen, die sich im Gothia Village im Kongo treffen. In Göteborg wie im Kongo geht es darum, dass dort, wo die Jugend zusammenkommt, Wissen, Verständnis und Zuversicht wachsen. Eigentlich sind wir einander sehr ähnlich, auch wenn sich die Voraussetzungen grundlegend unterscheiden. Wichtig ist die Begegnung an sich, ob in Göteborg oder in dem kleinen Dorf Kimpese im südlichen Kongo.